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Joyce Carol Oates

Nach dem Unglück schwang ich mich auf, breitete meine Flügel aus und flog davon


Der tagebuchartige Roman berührt durch die Intensität der Gefühle der Protagonistin, die sich mit der Bewältigung ihrer vermeintlichen Schuld quält. Wesentlich für die Nähe, die den Leser zu Jenna ergreift, ist die Schilderung aus der Ich-Perspektive. Viele Probleme der heutigen Jugend wie der selbstverständliche Umgang mit Alkohol und Drogen werden angesprochen. Der Übersetzerin gelingt es, eine angemessene, jugendnahe Sprache zu finden, die fesselt.
Das Buch wird seine Leser in seinen Bann ziehen, ohne in falsche Sentimentalität abzugleiten.
Der Prolog schildert aus der Sicht der Protagonistin, wie es zu dem tragischen Unfall auf der Tappan-See-Brücke gekommen sein könnte, der die Mutter  von Jenna das Leben gekostet hat.
„Im Blauen“ erträumt sie sich den Flug mit den Schneegänsen, in deren Schar sie mitfliegt. In dieser Zeit schläft sie viel und versucht, mit ihrer vermeintlichen Schuld fertig zu werden.
Immer wieder befragt man das junge Mädchen nach dem Unfallhergang, aber es kann sich an nichts erinnern.
Um Jennas Leben zu retten hatte man ihren Schädel geöffnet, damit der Druck auf ihr Gehirn gemindert wird. Frau Dr. Maria Currin hatte diese Entscheidung für sie getroffen, und diese Frau mag die junge Patientin am liebsten von allen betreuenden Kräften. Die Schwestern ihrer Mutter besuchen sie und bedauern ihren Zustand. Jenna vermisst nur ihre Mutter. Auch ihr Vater, der die Familie drei Jahre zuvor verlassen hat, eilt an ihr Krankenbett und fordert sie auf, sobald sie gesund sein wird, zu seiner neuen Familie zu kommen. Dort wird schon alles für sie vorbereitet. Er wirbt um Verständnis für seine Situation und versichert sie seiner väterlichen Liebe.
Jenna hat beschlossen, nie wieder jemanden zu lieben, obwohl sie sich sehr nach Liebe und Geborgenheit sehnt, und so wehrt sie alle ihr zugeneigten Menschen ab. Besucher nimmt sie kaum wahr. Außerdem wird sie wegen der starken Schmerzen mit einem starken Analgetikum behandelt, das süchtig machen kann, was ihre Sensibilität für andere wie hinter einem Nebel verschleiert.
In der Reha wird sie wieder richtig laufen lernen, und die Therapeutin meint, sie werde auch wieder Rennen laufen können. Aber trotz ihrer eisernen Energie, ist Jenna noch nicht so weit, dass sie dieser Hoffnung Raum geben kann.
Erfolgreich widersetzt sie sich den Plänen ihres Vaters, zu ihm zu ziehen. Ab der Entlassung aus der Rehabilitationsklinik wohnt sie bei ihrer Tante, die sich rührend um sie sorgt. Doch auch dagegen wehrt sich das junge Mädchen.
Als sie entgegen der Bitte ihrer Tante Dete allein zum Joggen geht, stürzt sie unglücklich, weil ihre Knie für die Strapaze des Laufens noch nicht stabil genug sind. Da begegnet sie Crow, einem jungen Man, der ihr in dieser misslichen Situation helfen will, vor dem sie aber Angst hat. Er wird die entscheidende Wende bei der Bewältigung ihres traumatischen Unfallerlebnisses bringen. Bis dahin gibt es sehr viele Ereignisse, die sie eine ganze Skala von angenehmen und hässlichen Gefühlen durchlaufen lassen wird. Mit Crows uneigennützlicher Hilfe wird sie den Weg in ein lebenswertes Dasein zurückfinden und einen Freund fürs Leben gewinnen.


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Freitag, 10. September 2010

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