Der neue Thriller von Monika Feth spielt in Köln und der Leser begegnet Kommissar Bert Melzig aus der „Erdbeerpflücker“-Reihe wieder; ansonsten spielen neue Personen die Hauptrolle. Im Mittelpunkt steht die 18jährige Volontärin Romy, die für ihre erste packende Story auf eigene Faust Ermittlungen in Mordfällen aufnimmt. Die Leiche eines jungen Mannes, der im Frühlinger See ermordet wurde, reiht sich an drei Gewaltverbrechen, die in den Monaten vorher passiert waren und allem Anschein nach keinerlei Verbindung aufweisen: Im Mai war eine 38jährige Frau erdrosselt im Stadtwald gefunden worden, im Juli ein 18jähriges Mädchen mit durchschnittener Kehle im Hinterhof einer Diskothek, und im August war ein 60jähriger Mann in einem Parkhaus mehrfach überfahren worden. Romys Chef Gregory vom Köln Journal gibt Romy nach einigem Widerstreben grünes Licht für ihre Recherchen, wird aber von ihr nicht in Einzelheiten ihrer Nachforschungen eingeweiht, was sie am Schluss fast das Leben kosten wird. Auch den Kommissar Bert, den sie bei einer Pressekonferenz kennen lernt, informiert sie nicht, ebenso wenig ihren Freund Calypso, der für ihre häufigen Ausflüge wenig Verständnis hat. Romy nimmt Kontakt auf zu Angehörigen der Opfer, etwa der Mutter der ermordeten Alice oder der Freundin von Thomas Durau. Sie führt eine Art Notiz-Tagebuch, das sie „Schmuddelbuch“ nennt und das den Leser direkt in ihre Gedankenwelt mitnimmt. Auch in diesem Roman beherrscht die Autorin meisterhaft den Perspektivenwechsel und erhöht durch zuweilen abrupten Abbruch die Spannung. Schon bald taucht eine zweite Hauptfigur auf: Vero, der Führer einer mysteriösen Bruderschaft, die ein früheres Kloster bewohnt und sich berufen fühlt, die inzwischen verdorbene Kirche wieder zu reinigen und auf ihre christlichen Ursprünge zurückzuführen. Er ist Asket, geißelt sich, will den Kampf gegen Dämonen gewinnen und greift als letztes Mittel auch zum Exorzismus. Am Beispiel der Studentin Pia wird geschildert, wie seine Anhänger in die Abhängigkeit der sektenähnlichen Bruderschaft geraten und sich seiner - wohl charismatisch erlebten – Persönlichkeit unterwerfen. Der Leser ahnt bald, dass es einen Zusammenhang gibt mit den Mordfällen und ist gespannt, wann der Kommissar diese Fährte aufnimmt. Dies dauert lange, denn Romy ist durch ihre Recherchen Bert stets eine Nasenlänge voraus. Sie hat herausgefunden, dass sowohl Alice als auch Thomas etwa ein halbes Jahr vor ihrer Ermordung ihren Lebenswandel verändert, Beziehungen abgebrochen und sogar ihre Kleidung verändert haben, ohne ihren Angehörigen Gründe zu nennen. Als eine weitere junge Tote im Dünnwald erschossen aufgefunden wird, begibt sich Romy an den Tatort und trifft dort auf Bruder Arno, der ihr von der Bruderschaft erzählt und sie ins Kloster einlädt. Sie fühlt sich von ihm angezogen und gerät dadurch in große Gefahr. Nach dem ersten Besuch kann sie trotz der Verabreichung von Drogen noch entkommen, doch als sie weitere Nachforschungen anstellen will, wird sie im Kloster gefangen gehalten, und niemand weiß von ihr, da sie keinen in ihre Pläne eingeweiht hat. In der Zwischenzeit wird Pia, die immer größere Zweifel hat, ob sie die Gemeinschaft verlassen soll, durch Vero und einige Mitbrüder seelischen Qualen unterzogen, um von Dämonen befreit zu werden. Sie wird eingesperrt und muss hungern, das Schicksal erleiden wie die zuletzt ermordete Sally vor ihr. Auch der Kommissar hat durch ähnliche Recherchen inzwischen den Verdacht, dass religiöser Fanatismus hinter den Morden stecken könnte und besucht endlich auch die Bruderschaft, ohne tatkräftige Beweise zu finden. Erst als Romy verschwunden ist und man keinen Kontakt zu ihr findet, beginnt eine gemeinsame Suche von Bert, ihrem Freund Calypso und dem Reporter Ingo, der die richtige Fährte gefunden hat. In den letzten Kapiteln verdichtet sich die Spannung, und als Bert im Klostergelände den Schuppen entdeckt, in welchem Sally gefangen gehalten wurde, kann er endlich Verstärkung anfordern und Romy wie Pia befreien. Der packende Thriller, gleichzeitig ein Appell gegen religiösen Fanatismus, wird Jugendliche wie Erwachsene gleichermaßen faszinieren und zum Nachdenken bringen.
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